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Die Central Collecting Points

  • 5. März
  • 4 Min. Lesezeit

Was sind eigentlich diese Zentralen Sammelstellen, von denen ich da immer wieder spreche? Es handelt sich um Institutionen, die von den Kunstschutzoffizieren der Monuments, Fine Arts & Archives Section, den Monuments Men, ins Leben gerufen wurden, als sie sich der Aufgabe widmeten, die in ganz Europa verstreuten Kunstwerke aus Museen, Raub- und Beutekunst der Nationalsozialisten und anderweitig in Sicherheit gebrachte Kunstgegenstände aus ihren Auslagerungsstätten zu bergen und an ihre rechtmäßige Eigentümer zurückzugeben. Dazu brauchte es geeignete Gebäude und auch Menpower, um dieser Aufgabe Herr zu werden.


Gründung und Zielsetzung

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden durch die amerikanischen Besatzer in Deutschland zentrale Kunstsammelstellen errichtet. Verwaltet wurden diese CCPs von Mitarbeitern der Monuments, Fina Arts and Archive Section, den sogenannten „Monuments Men“, einer Militärischen Kunstschutzorganisation.

Unzählige Kunstwerke waren während der NS-Zeit in besetzten Gebieten, vor allem aber von den entrechteten Juden, geraubt worden, viele Museumsbestände waren vor den Bombenangriffen auf europäischen Städte ausgelagert worden und lagerten in unterirdischen Depots, Bunkern, Bergwerken und Minen sowie abgelegenen Schlössern Herrenhäusern und Schlössern.

Nach Kriegsende wurde es nun zur Aufgabe für die Monuments Men in den CCPs, alle Kunstwerke, die kriegsbedingt in Bewegung geraten waren, zusammenzutragen und auf ihre Eigentümerschaft zu überprüfen. Da vor allem auch der Nationalsozialistische Beutezug nicht unbekannt geblieben war, stellten sich die CCP-Mitarbeiter auf eine große Anzahl an Rückforderungsanträgen aus anderen Ländern bzw. von jüdischen Erben ein.


München (1945-1949)

In München wurde die Sammelstelle im ehemaligen „Verwaltungsbau“ und „Führerbau“ der NSDAP eingerichtet, die im Vergleich zu den umliegenden Museumsgebäuden der Stadt die Bombardierung vergleichsweise unbeschadet überstanden hatten. Der Münchner CCP war mit Abstand der größte seiner Art. Viele Kulturgüter, die einst den staatlichen Museen in Bayern gehörten, aber auch Kunstwerke, die Hitler für sein geplantes „Führermuseum Linz“ zusammengetragen hatte, die Sammlungen des Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg, von Reichsmarschall Hermann Göring und anderer NS-Größen wurden hierhin gebracht, inventarisiert, fotografiert und auf ihre Eigentumsverhältnisse geprüft. Nicht alles konnte während der Besatzungszeit aufgeklärt werden. Ab 1949 wurde die Verantwortung für den Restbestand bzw. für die noch anstehenden Restitutionen schrittweise an die Bundesrepublik Deutschland übergeben.

 

Wiesbaden (1945-1952)

Während im CCP München hauptsächlich Kunstwerke gelangten, die von den Nationalsozialisten geraubt worden waren und die von den Alliierten unter anderen in den Auslagerungsstätten in Neuschwanstein bzw. im Salzbergwerk Altaussee (Österreich)  aufgefunden wurden, waren die Bestände des Wiesbadener CCPs, eingerichtet im heutigen Landesmuseum, von anderer Natur. Eingelagert waren dort seit August 1945 hauptsächlich die Sammlungen der Berliner Museen, die gegen Ende des Krieges in die Salzminen von Merkers (Thüringen) ausgelagert worden waren und von da aus von den amerikanischen Besatzern nach Frankfurt gebracht wurden. Der WCCP wurde durch Capt. Walter I. Farmer, dem ersten Direktor, eingerichtet. Drei weitere Direktoren (Edith Standen, Francis Bilodeau und Theodore A. Heinrich) sollten Farmer folgen. Unterstützt wurden die Monuments Men auch von deutschen Mitarbeitern des Museums, die bei Inventarisierung, den Restitutionsanträgen oder auch bei kleineren Restaurierungsarbeiten hilfreich waren. Neben den Kunstgegenstände der Berliner Sammlungen wurden dort auch viele andere deutsche öffentliche Kunstsammlungen zusammengeführt, so etwa Teile des Frankfurter Städels, des Landesmuseums Mainz, des Kölner Wallraf-Richartz-Museums und etliche mehr. Diese aus öffentlichen Sammlungen stammenden Kunstwerke befanden sich zu einem großen Teil schon lange vor der NS-Zeit in deren Besitz und konnten nach einer Überprüfung der Eigentumslage durch die Alliierten auch bedenkenlos an die alten Besitzer zurückgegeben wurden. Auch einige Privatsammlungen, unter anderem Teile der Sammlung von Hildebrand Gurlitt, fanden ihren Weg in die Wiesbadener Sammelstelle und wurden bei Rückforderungsantrag geprüft und ggf. restituiert.

Vor allem die Berliner Kunstgegenstände blieben noch längere Zeit in Wiesbaden, da während der Berlin Blockade eine Rückführung nicht sicher erschien. Vor allem diese deutschen Museumssammlungen des Wiesbadener CCPs wurde – dies eine Besonderheit unter den Sammelstellen – in insgesamt 10 Ausstellungen der regionalen Bevölkerungszeit gezeigt. Da viele dieser Kunstwerke kriegsbedingt einige Jahre nicht ausgestellt werden konnten, waren diese Ausstellungen stark besucht. Ein besonderes Highlight wurde die Büste der Nofretete, die als Besuchermagnet auf allen Ausstellungen präsentiert wurde.


Marburg (1945-1946)

Eine kleinere, aber nicht unbedeutende Sammelstätte wurde in der hessischen Universitätsstadt Marburg eingerichtet. Bereits ab Mai 1945 konnten erste Kunstgegenstände hier eingelagert werden, die man im Depot Bernterode aufgefunden hatte. CCP-Direktor wurde Walker Hancock (abgelöst später von Francis Bilodeau), der die Sammelstelle unter anderem im Gebäude des Hessischen Staatsarchivs einrichtete. Besonders an Marburg war, dass man sich dort der Dienste des „Bildarchivs Foto Marburg“ bedienen konnte, einem an das kunstgeschichtliche Institut angeschlossenen Bildarchiv, das bei der fotografischen Inventarisierung der Bestände unterstützte.

Bereits Mitte August 1946 endete die Tätigkeit dieser kleinen Facility. Die Restbestände wurden in den nahe gelegenen Wiesbadener CCP überführt.

 

Offenbach

Die Besonderheit dieser Sammelstätte war es, dass sie in erster Linie Bücher, Manuskripte und Dokumente gelagert hatte. Deshalb wurde diese Sammelstelle auch nicht als CCP, sondern als „Offenbach Archival Depot“ (OAD) bezeichnet. Daneben beherbergte der OAD aber auch eine große Anzahl von Judaica. Geleitet wurde diese Sammelstätte von Captain Seymour Pomrenze, gefolgt von Captain Isaac Bencowitz.

Beherbergt war der OAD zunächst in der Rothschild-Bibliothek in Frankfurt am Main, zog aber aus Platzgründen bald in ein ehemaliges Gebäude der I.G. Farben in Offenbach um. Auch hier wurden die Bestände soweit möglich auf ihre Besitzverhältnisse überprüft und retourniert. Im Juni 1949 wurde die Arbeit des OAD beendet. Aber auch hier konnten in der kurzen Bestehenszeit nicht überall die rechtmäßigen Erben gefunden werden. Die Restbestände gingen hier an das YIVO (Institute for Jewish Research, New York), das Joint Distribution Committee und die Jewish Cultural Reconstruction.


Literatur

  1. Tanja Bernsau, Die Besatzer als Kuratoren? Der Central Collecting Point Wiesbaden als Drehscheibe für einen Wiederaufbau der Museumslandschaft nach 1945, Berlin 2013

  2. Robert M. Edsel, The Monuments Men. Allied Heroes, Nazi Thieves, and the Greatest Treasure Hunt in History, New York 2009

  3. Walter I. Farmer: Die Bewahrer des Erbes. Das Schicksal deutscher Kulturgüter am Ende des Zweiten Weltkrieges, Überarbeitet und mit einem Vorwort versehen von Klaus Goldmann. Mit einer Einleitung von Margaret Farmer Planton. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Henning Kunze, Schriften zum Kulturgüterschutz, Berlin 2002

  4. Gabriele Hauschke-Wicklaus: Fast vergessen: Das amerikanische Bücherdepot in Offenbach am Main von 1945 bis 1949. Offenbacher Editionen, Offenbach 2011

  5. Iris Lauterbach, „Arche Noah“, „Museum ohne Besucher“? Der Central Art Collecting Point in München, in: Andrea Baresel-Brand (Bearb.), Entehrt, Ausgeplündert, Arisiert. Entrechtung und Enteignung der Juden, Magdeburg 2005, S. 335–352

  6. Iris Lauterbach: Der Central Collecting Point in München. Kunstschutz, Restitution, Neubeginn. Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München Bd. 34, Deutscher Kunstverlag 2015

  7. Marco Rasch: Das Marburger Staatsarchiv als Central Collecting Point. Mit Beiträgen von Tanja Bernsau, Susanne Dörler, Sonja Feßel, Iris Lauterbach und Katrin Marx-Jaskulski. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung im Hessischen Staatsarchiv, Schriften des Hessischen Staatsarchivs 39, Marburg 2021

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