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Die Protagonisten
im Kulturgüterschutz am Ende des Zweiten Weltkriegs
Wer waren eigentlich die Monuments Men and Women?
In verschiedenen Blogbeiträgen habe ich schon Schlaglichter auf die Beteiligten im Kulturgüterschutz im Zweiten Weltkrieg geworfen: Amerikanische und englische Kunstschutzoffiziere, Gesandte aus den vormals von Deutschen besetzten Gebieten, die nach Wiesbaden kamen, um ihre Restitutionsansprüche geltend zu machen, aber auch deutsche Museumsmitarbeiter waren am Aufbau und Ablauf des Central Collecting Points und der gesamten Arbeit der Monuments, Fine Arts and Archive-Section beteiligt. An dieser Stelle möchte ich nach und nach einzelne Protagonisten vorstellen.
Als erster CCP-Direktor zeichnete Walter Ings Farmer für den Aufbau des Central Collecting Point Wiesbaden verantwortlich.[1] (https://manage.wix.com/dashboard/88a12805-d669-4e84-b22f-d57ff7310b68/wix-faq/edit/847ca3f0-5b64-474e-b5f3-411365f893b6#_ftn1)Geboren 1911 in Ohio trat Farmer 1942 nach einem Universitätsstudium zum Architekten an der Columbia University (New York) und der Miami University (Ohio) in die US-Armee ein. Er erhielt seine militärische Ausbildung im Ft. Thomas (Kentucky) und konnte sich dank seines Ingenieurs-Hintergrund im Spätherbst 1942 im Brückenbau weiterbilden lassen. 1943 erhielt er seinen Einsatzbefehl für Übersee, zunächst nach England, wo er am 9. November 1943 in Liverpool ankam. Als Architekt war Farmer dort am Aufbau von militärischen Lagern beteiligt. Im Frühjahr 1944 wurde Farmer bei einem Unfall mit seinem Jeep verletzt und musste mehrere Monate Gips tragen. Während seiner Dienstunfähigkeit vertrieb er sich die Zeit mit dem Besuch der örtlichen Buch- und Antiquitätenhändler. Mit der Invasion in Frankreich 1944 folgte Farmer den Truppen aufs Festland, wo er unter anderem für die Wiederherstellung von Kanal- und Straßensystemen der zerstörten Städte zuständig war. In den folgenden Monaten erlangte er Kenntnis von der Arbeit der Monuments, Fine Arts & Archives-Section, die ihn sehr interessierte. Sein Regiment unterstand der 12. Armee, die ihren Hauptsitz in Frankfurt hatte, so dass ihn seine Arbeit gelegentlich auch ins Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force (SHAEF) führte, dem die MFA&A angegliedert war. Farmer sollte ursprünglich bereits im Juni 1945 in die Staaten zurückkehren, sprach aber beim SHAEF-Büro in Frankfurt vor und bat den britischen Colonel Geoffrey Webb und den amerikanischen Lieutenant Charles Kuhn um eine weitere Beschäftigung für die MFA&A. Im Vorstellungsgespräch mit diesen beiden Herren erkannte Farmer, dass er seine mangelnde kunsthistorische Ausbildung durch seine Kenntnisse des Militärwesens wettmachen konnte:
"Langsam wurde mir klar, dass ich diesen brillanten Harvardabsolventen und Direktor des dortigen Germanic Art Museum im Rang übertraf und viel mehr als er darüber wusste, wie die Armee funktionierte. Lt. Kuhn suchte nach jemandem, der ein früheres Museum in Wiesbaden wieder aufbauen könnte, das bis vor kurzem als Hauptquartier der westlichen Abteilung der Luftwaffe gedient hatte."[2](https://manage.wix.com/dashboard/88a12805-d669-4e84-b22f-d57ff7310b68/wix-faq/edit/847ca3f0-5b64-474e-b5f3-411365f893b6#_ftn2)
Am 19. Juni 1945 wurde Farmer offiziell der Monuments, Fine Arts & Archives-Commission for the Protection and Salvage of Artistic and Historic Monuments in War Areas des US-Außenministeriums überstellt, deren Mitglied er bis 1946 blieb. Seit der Gründung des Wiesbadener CCPs im Sommer 1945 bis März 1946 war er als dessen Direktor tätig. In dieser Tätigkeit war er verantwortlich für die I. Ausstellung (vgl. 3.4.1.1 I. Ausstellung alter Meister in deutschem Besitz, S. 193ff.). In seine Amtszeit fällt auch die Westward ho-Aktion, der Abtransport von 202 Kunstwerken in die Vereinigten Staaten. Als Reaktion darauf entstand das Wiesbadener Manifest, das auf Farmers Initiative zurückzuführen ist und das er zumindest mitverfasst hat. Für seine Leistungen für das deutsche Kulturerbe wurde Walter Farmer 1995 mit dem Großen Verdienstkreuz ausgezeichnet.[3](https://manage.wix.com/dashboard/88a12805-d669-4e84-b22f-d57ff7310b68/wix-faq/edit/847ca3f0-5b64-474e-b5f3-411365f893b6#_ftn3)
Zurückgekehrt in die Vereinigten Staaten heiratete Farmer im Jahr 1947 in zweiter Ehe seine ehemalige CCP-Mitarbeiterin Renate Hobirk (siehe Abbildung 39, S. 350). Das Paar hatte eine Tochter (Margaret Cornelia, geb. 1949) und ließ sich 1966 scheiden. Farmer betrieb als Designer und Inhaber von 1949 bis zu seinem Tod das Unternehmen Greenwich House Interiors in Cincinnati, Ohio. Er gründete in den 1940er Jahren das Contemporary Art Museum in Houston, Texas, und war von 1950-1967 Dozent an der University of Cincinnati, Ohio. Im Jahre 1978 gründete Farmer das Miami University Art Museum in Oxford, Ohio. Er starb im Jahre 1997.
Im Jahr 2002 wurde unter Mithilfe seiner Tochter Margaret Farmer Planton posthum die deutsche Fassung seiner Autobiografie veröffentlicht, die wichtige Erinnerungen an seine Tätigkeit im Wiesbadener Collecting Point liefert.[5](https://manage.wix.com/dashboard/88a12805-d669-4e84-b22f-d57ff7310b68/wix-faq/edit/847ca3f0-5b64-474e-b5f3-411365f893b6#_ftn5)
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[1] (https://manage.wix.com/dashboard/88a12805-d669-4e84-b22f-d57ff7310b68/wix-faq/edit/847ca3f0-5b64-474e-b5f3-411365f893b6#_ftnref1)Alle biografische Daten zu Walter I. Farmer entstammen, soweit nicht anders vermerkt, seinem autobiografischen Werk bzw. der Website der Monuments Men; vgl. Farmer, Walter I.: Die Bewahrer des Erbes. Das Schicksal deutscher Kulturgüter am Ende des Zweiten Weltkrieges, Berlin 2002; Monuments Men Foundation for the Preservation of Art: Walter I. Farmer (1911-1997), http://www.monumentsmenfoundation.org/bio.php?id=95,(http://www.monumentsmenfoundation.org/bio.php?id=95) o.D., Abrufdatum: 12.06.2011. Im OMGUS-Handbuch ist Farmer nicht verzeichnet; vgl. Weisz, Christoph (Hrsg.): OMGUS-Handbuch. Die amerikanische Militärregierung in Deutschland 1945-1949, München 1994.
Weitere Literatur über Farmer:
Rudel, Detlef: Bonn ehrt Verfasser des "Wiesbadener Manifests". Einstiger US-Captain Farmer auch Gast im Museum, in: Wiesbadener Kurier, 06.02.1996
Goldmann, Klaus: Laudatio für Walter Ings Farmer, in: Freimaurerische Begegnung von Kunst und Kultur, hrsg. von Guenter Lensch, o.O. 1997, S. 175-185
Goldmann, Klaus: Laudation für Walter I. Farmer in Fürth am 10. Mai 1997, in: Eleusis, 3.1997, S. 7-11
Kunstschützer Farmer tot, in: Wiesbadener Kurier, 15.08.1997
Gestorben: Walter Farmer, 86, in: Der Spiegel. Ausgabe 34/1997, 18.08.1997, S. 210
[2] (https://manage.wix.com/dashboard/88a12805-d669-4e84-b22f-d57ff7310b68/wix-faq/edit/847ca3f0-5b64-474e-b5f3-411365f893b6#_ftnref2)Farmer (2002): Die Bewahrer des Erbes, S. 27.
[3] (https://manage.wix.com/dashboard/88a12805-d669-4e84-b22f-d57ff7310b68/wix-faq/edit/847ca3f0-5b64-474e-b5f3-411365f893b6#_ftnref3)vgl. Farmer, Walter I.: The Wiesbaden Manifesto of 7 November 1945, in: Jahrbuch Preussischer Kulturbesitz, 33.1996, S. 91-119, S. 113.
[5] (https://manage.wix.com/dashboard/88a12805-d669-4e84-b22f-d57ff7310b68/wix-faq/edit/847ca3f0-5b64-474e-b5f3-411365f893b6#_ftnref5)Farmer (2002): Die Bewahrer des Erbes.
Edith Appleton Standen[1] übernahm im März 1946 die Nachfolge von Walter Farmer als Direktorin des Collecting Points Wiesbaden bis zu ihrer Versetzung zum MFA&A-Büro in Stuttgart im Frühjahr 1947.[2]
Standen, gebürtig aus Nova Scotia (Kanada) und in England und Irland aufgewachsen, erhielt ihre akademische Ausbildung in Oxford, wo sie im Jahr 1926 ihren Bachelor-Abschluss in Englisch mit Auszeichnung machte. Zwei Jahre später immigrierte sie in die USA, wo sie eine Tätigkeit für die Society for the Preservation of New England Antiquities aufnahm, deren Gründer ihr Onkel war. Sie absolvierte den Kurs in Museumskunde bei Paul Sachs am Fogg Art Museum (Harvard) und war von 1929 bis 1942 als Sekretärin der Widener Collection in Elkins Park, Pennsylvania tätig, deren Übersiedlung in die National Gallery of Art, Washington D.C., sie nach der Stiftung der Sammlung betreute. Standen erhielt die amerikanische Staatsbürgerschaft im Jahr 1942 und trat dem Women's Army Corps (WAC) bei. Aufgrund ihrer Ausbildung bei Paul Sachs wurde sie der MFA&A zugeteilt und kam im Juni 1945 nach Deutschland. Standen gehörte als Kunstschutzoffizierin zu den Unterzeichnern des Wiesbadener Manifests. Im März 1946 übernahm sie von Walter Farmer die Leitung des Wiesbadener CCPs.
Während ihres Direktorats wurde die Inventarisierung und Restitution der CCP-Bestände an andere Länder fortgesetzt. In ihre Amtszeit fiel auch die Implementierung des Militärgesetzes No. 52 (April 1946), das es erforderlich machte, dass die Deutschen ihre Kunstgegenstände anzeigen und eventuelle Raubkunst zurückgeben mussten, die vom Ausland zurückgefordert wurden.[3] (https://manage.wix.com/dashboard/88a12805-d669-4e84-b22f-d57ff7310b68/wix-faq/edit/2381adb0-f976-45e6-8c1d-9e63f8448adc#_ftn3)
Drei Ausstellungen fanden während ihrer Zeit in Wiesbaden statt, bei zwei davon war sie auch während der Vorbereitungszeit die Direktorin (II und III). Darüber hinaus war sie auch an der Vorbereitung für Ausstellung IV (Bilder zur Weihnacht) beteiligt, für deren Katalog sie die Einleitung verfasste. Während der Laufzeit war sie allerdings nicht mehr im WCCP tätig.
Sie wurde beurlaubt vom 20.12.1946 bis zum 03.01.1947[4], kehrte danach aber nicht nach Wiesbaden zurück[5], sondern wurde nach Stuttgart versetzt. In Stuttgart war Standen ab Februar 1947 als Captain der MFA&A-Abteilung der ECRD (Education and Cultural Relations Division) des Office of Military Government for Wuerttemberg-Baden (OMGWB) zuständig für die Bearbeitung von Meldungen über Gegenstände, die Deutsche aus von deutschen Truppen besetzten Gebieten mitgebracht hatten.[6] Am 30. August 1947 kehrte Standen wieder in die USA zurück.[7] Dort wurde sie Associate Curator am New Yorker Metropolitan Museum of Art unter den Direktoren Francis Henry Taylor und James Rorimer.[8] Ihr wurde das Fachgebiet Textilien zugeteilt, obwohl sie keine ausgewiesene Expertise in diesem Bereich hatte und diese Aufgabe auch zunächst ablehnte. Während ihrer Tätigkeit von 1949 bis zum Jahr 1970 konnte sie sich jedoch enormes Fachwissen im Textilbereich aneignen und veröffentlichte zahlreiche Publikationen zu diesem Thema. Auch nach ihrer Pensionierung stand sie dem Museum noch bis 1988 als Beraterin zu Verfügung.
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[1] Alle biografischen Daten zu Edith Standen entstammen, soweit nicht anders vermerkt, der Website der Monuments Men bzw. dem Dictionary of Art Historians; vgl. Monuments Men Foundation for the Preservation of Art: Edith A. Standen (1905-1998), http://www.monumentsmenfoundation.org/bio.php?id=284,(http://www.monumentsmenfoundation.org/bio.php?id=284) Veröffentlichungsdatum: o.D., Abrufdatum: 08.05.2011; Dictionary of Art Historians: Standen, Edith [Appleton], http://www.dictionaryofarthistorians.org/standene.htm,(http://www.dictionaryofarthistorians.org/standene.htm) Veröffentlichungsdatum: o.D., Abrufdatum: 08.05.2011.
[2] vgl. Farmer (2002): Die Bewahrer des Erbes, S. 39.
[3] Farmer (1996): The Wiesbaden Manifesto, S. 106.
[4] vgl. Monatsbericht Dezember 1946, Monthly Consolidate Field Report for December 1946, an Director OMG for Germany, 16.01.1947, von Robert Wallach [Asst. Ex.O., for the Director], in: Microfilm-Publikation M1947, Records concerning the Central Collecting Points ("Ardelia Hall Collection"): Wiesbaden Central Collecting Point, 1945-1952 (Roll 52: Activity Reports, 1945-1951 [A1, Entry 496], From: Monthly Report: Office of Military Government for Hesse, July 1946; To: Monthly Report: Office of Military Government for Hesse, Apr. 1947).
[5] vgl. Farmer (1996): The Wiesbaden Manifesto, S. 108.
[6] vgl. Weisz (1994): OMGUS-Handbuch, S. 837.
[7] vgl. ebd., S. 567.
[8] vgl. Farmer (2002): Die Bewahrer des Erbes, S. 39.
Douglas Cooper, britischer Kunstschutzoffizier für Deutschland, nahm gleichzeitig in London seine geheimdienstliche Arbeit im Rahmen der "German Country Unit" auf – ein "absurder Wettstreit" um Informationen mit der ALIU begann. Ein erstes Ergebnis Coopers war im Dezember 1944 die "White List of German Personnel", eine Liste von vertrauenswürdigem deutschem Kunstpersonal, mit dem man nach Kriegsende würde zusammenarbeiten können. Im Mai 1945 war er der erste, der im Auftrag der ALIU einen Mitarbeiter des deutschen Kunstschutzes für Italien in Brescia verhörte.54 Zu seinen bedeutendsten Entdeckungen im Rahmen seiner Geheimdiensttätigkeit gehörten die "Schenker-Papiere", Dokumente über den Transport von Kunstwerken aus Paris mit der Spedition Schenker, die wesentliche Informationen über die illegalen Kunsttransaktionen lieferten.
Eng zusammen arbeiteten diese amerikanischen Kunstschutzoffiziere mit dem holländischen Geheimdienstoffizier Jan Vlug, der nach seinen Verhören den Bericht über die Dienststelle Kajetan Mühlmann, zuständig für den Kunstraub in den Niederlanden, verfasste.
James S. Plaut (1912-1966) war in Frankreich zur Schule gegangen, bevor er seinen Abschluss an der Harvard University machte. Dort war er bis 1935 als Lehrbeauftragter tätig, ging dann als kuratorische Assistenz an das Bostoner Museum for Fine Arts. Dort mitbegründete er wenig später das Boston Museum of Modern Art und wurde 1939 der erste offizielle Direktor des Museums (heute The Institute of Contemporary Art). Während des Zweiten Weltkrieges diente er als Senior U.S. Naval Interrogation Officer. Zu seinen Aufgaben dort gehörten die Verhöre von gefangen genommenen U-Boot-Crews, was ihn auf seine Arbeit als ALIU-Offizier bestens vorbereitete. Für seinen Einsatz als Geheimdienstmitarbeiter für Kunstgegenstände wurden ihm nach Kriegsende internationale Auszeichnungen zuteil. Im April 1946 kehrte er nach Boston zurück und half, am Museum of Modern Art viele europäische moderne Kunstströmungen zu einer breiten Bekanntheit zu verhelfen.
S. Lane Faison (1907-2006) studierte Kunstgeschichte am Williams College (Massachusetts), wo er auch seinen Bachelor-Abschluss machte. 1930 folgte ein Master-Abschluss der Harvard-Universität, 1932 ein weiterer von der Princeton-Universität. Kurzzeitig arbeitete er als Lehrbeauftragter an der Yale Universität, bevor er 1936 als Professor an seine Alma Mater zurückkehrte. Seit 1940 leitete er die Kunstabteilung des Williams College. Im Dezember 1942 meldete Faison sich zum Kriegsdienst bei der Marine und diente als Naval Flight Recognition Instruction and Training Officer. Im April 1945 trat er der ALIU bei. Im Juni 1945 erreichte er Altaussee, um seine Kollegen bei den Verhören zu unterstützen. Anfang 1946 endete sein Dienst als ALIU-Offizier und Faison kam als Professor ans Williams College zurück. Bereits 1950 sandte man ihn jedoch erneut nach Deutschland, um den Posten des Direktors im Central Collecting Point München zu übernehmen, damit er heiklen Prozess der Restitution, für den er so viele Informationen gesammelt hatte, begleitete. Nach seiner erneuten Rückkehr in die Vereinigten Staaten arbeitete er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1976 als Professor am Williams College.
Theodor Rousseau (1912-1972) hatte Kunst an der Sorbonne in Paris und an der Harvard Universität in den Vereinigten Staaten studiert. Durch seine häufigen Studienreisen durch Europa sprach er unter anderem fließend Französisch. Seine letzte Position vor dem Krieg war die eines Kurator-Assistenten an der neu gegründeten National Gallery of Art in Washington, D.C. Er begann seinen Kriegsdienst als Marine-Attaché in den amerikanischen Botschaften von Lissabon und Madrid, bevor er zum OSS kam. Für seinen Einsatz im Krieg erhielt er mehrere internationale Auszeichnungen, unter anderem der französischen Ehrenlegion. Nach seiner Rückkehr aus Europa 1946 folgte eine beinahe 30jährige Karriere am Metropolitan Museum of Art in New York.
Die drei Offiziere Plaut, Rousseau und Faison teilten sich die Aufgaben wie folgt auf: Plaut untersuchte die Kunstraub-Aktionen des Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg und verfasste den ersten Consolidated Interrogation Report zu diesem Thema. Rousseau war zuständig für die Untersuchung der Sammlung Hermann Görings und damit auch verantwortlich für den zweiten Consolidated Interrogation Report. Faison beschäftigte sich zur gleichen Zeit mit der Untersuchung der Erwerbungen von Hitlers Museum in Linz ("Führermuseum") und zeichnete somit hauptverantwortlich für den letzten CIR.
Über den dritten CCP-Direktor Francis Waterhouse Bilodeau liegen vergleichsweise wenige Informationen vor.[1] Er wird, obgleich er an der Ausgestaltung von mindestens zwei CCP-Ausstellungen beteiligt war, in der Sekundärliteratur selten erwähnt. Das mag damit zusammenhängen, dass Bilodeau, der als "Civilian" in den Akten erscheint[2], zum betreffenden Zeitpunkt kein Angehöriger des Militärs mehr war und deshalb nicht als Kunstschutzoffizier in den regelmäßigen Reports erfasst wurde. Nur wenige Informationen zu diesem CCP-Direktor sind deshalb auch aus den Akten des NARA zur Militärregierungszeit zu entnehmen.
Bilodeau wurde 1915 in Maine (USA) geboren und erhielt seinen Bachelor-Abschluss am Bowdoin College im Jahr 1938. Er absolvierte die Graduate School an der Columbia University 1939 sowie an der Yale University von 1940 bis 1941. Seine Doktorwürde in Philosophie erhielt er am Institute of Fine Arts an der New Yorker Universität 1942. Während dieser Zeit meldete er sich im Oktober 1941 bei der Armee und war später in nach Deutschland stationiert.
Vor seiner Tätigkeit in Wiesbaden war Bilodeau Direktor des Marburger Central Collecting Point. Nachdem dieser CCP im August 1946 geschlossen wurde, nahm Bilodeau seine Arbeit im Wiesbadener CCP auf, zunächst als Urlaubsvertretung für Capt. Standen im August 1946[3], ab Dezember 1946 dann als Direktor des CCP Wiesbaden.[4] Andere Quellen nennen bereits den 8. November 1946 als Antrittsdatum Bilodeaus.[5] In jedem Fall war er während der IV. Ausstellung (Christmas Pictures) als CCP-Direktor tätig. Er unterzeichnete erstmals ein offizielles Schreiben als Direktor am 05.12.1946.[6]
Die Position des CCP-Direktors in Wiesbaden wurde bereits mit Wirkung vom 1. Januar 1947 als überflüssig erklärt ("declared surplus"), worüber Bilodeau am 14. Januar in Kenntnis gesetzt wurde, allerdings ohne ihm direkt eine Kündigung auszusprechen.[7] Aufgrund des hohen Arbeitsanfalls an unerledigten Fällen, der die Anwesenheit eines Direktors in Wiesbaden erforderte, blieb Bilodeau noch bis zum 8. April 1947 im Amt. Seine Aufgaben übernahm danach "as an added duty" der Land Chief der MFA&A-Abteilung, Theodore A. Heinrich.[8]
Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten war Bilodeau als Kurator und Kunstlehrer an verschiedenen Kunstgalerien und Institutionen tätig. Er spezialisierte sich auf die Kunst der US-amerikanischen Bundesstaaten North und South Carolina und veröffentlichte mehrere Kunstpublikationen und Kataloge. Er starb 2004 in New York.
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[1] Alle biografischen Daten zu Francis Bilodeau entstammen, soweit nicht anders vermerkt, von der Website der Monuments Men; vgl. Monuments Men Foundation for the Preservation of Art: Francis Waterhouse Bilodeau (1915-2004), http://www.monumentsmenfoundation.org/bio.php?id=19,(http://www.monumentsmenfoundation.org/bio.php?id=19) Veröffentlichungsdatum: o.D., Abrufdatum: 08.05.2011.
[2] Die erste namentliche Nennung Bilodeaus findet sich im Monatsreport für Juli 1946, in dem er als "Mr. Francis W. Bilodeau, CAF/11, US Civ" als der für den Marburger CCP verantwortliche Mitarbeiter geführt wird; vgl. Monatsbericht Juli 1946, in: Microfilm-Publikation M1947, Roll 52.
[3] Dass er auch in diesem Report ohne militärischen Rang, lediglich als "Mr. Bilodeau" genannt wird, lässt die Vermutung zu, dass er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr dem Militär angehörte; vgl. Monatsbericht August 1946, in: Microfilm-Publikation M1947, Roll 52.
[4] vgl. Annex C "Status Collecting Point Report", 04.01.1947, von Francis W. Bilodeau [Director Central Collecting Point], in: Monatsbericht Dezember 1946, in: Microfilm-Publikation M1947, Roll 52.
[5] vgl. Monatsbericht November 1946, in: Microfilm-Publikation M1947, Roll 52.
[6] Schreiben von Francis W. Bilodeau vom 05.12.1946 (unbekannter Empfänger), in: Microfilm-Publikation M1947, Records concerning the Central Collecting Points ("Ardelia Hall Collection"): Wiesbaden Central Collecting Point, 1945-1952 (Roll 14: General Records, 1945-1952 [A1, Entry 492], From: Press Clippings [by Title]; To: Receipts for Cultural Objects & Loans for Exhibitions General). Im Dezember 1946 unterzeichnete er auch ein Arbeitszeugnis für die Büroangestellte des CCPs, Alexa Cabulis, als "Director CCP"; vgl. Arbeitszeugnis für Alexa Cabulis vom 30.12.1946, in: Microfilm-Publikation M1947, Roll 28.
[7] vgl. Annex D "Status of Collecting Point Report", 04.04.1947, von Francis W. Bilodeau [Director Central Collecting Point], in: Monatsbericht März 1947, in: Microfilm-Publikation M1947, Roll 52.
[8] vgl. Annex D "Status of Collecting Point Report, 04.05.1947, von Theodore A. Heinrich [Chief, MFA&A Section OMGH; Acting Director Central Collecting Point], in: Monatsbericht April 1947, in: Microfilm-Publikation M1947, Roll 52.
Theodore Allen Heinrich machte 1932 seinen Universitätsabschluss in Philosophie an der University of California. Es folgte ein Master in Kunst- und Architekturgeschichte am Kings College der Cambridge University im Jahre 1936.[1] Er diente in der US-Armee von 1943 bis 1950. Aufgrund seines kunsthistorischen Hintergrundes wurde Heinrich für eine weitere Ausbildung am Military Intelligence Training Centre/Officer's Candidate School am Camp Ritchie, Maryland, empfohlen. Er beendete dieses Training im Jahr 1943 und begann seine Tätigkeit als Junior Officer im Geheimdienststab General Eisenhowers für das Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force (SHAEF), später als Deputy Chief der Enemy Communication Section of G-2. Nach dem alliierten Sieg im Jahr 1945 arbeitete Heinrich für die MFA&A als Chief of the MFA&A Branch of Military Government for Hesse und als Cultural Property Advisor des Wiesbadener Central Collecting Points. Er war auch in die Aufgaben des Marburger und Münchner CCPs involviert und fungierte als Direktor des Offenbacher Archival Depot in den Jahren 1946 bis 1947. Während viele der MFA&A-Offiziere bereits 1946 in die Staaten zurückkehrten, blieb er in Deutschland bis zum Jahre 1950[2] und assistierte den örtlichen Funktionären bei der Neubildung ihrer Museen, Bibliotheken und Archive.
Seit Mai 1947 war Capt. Heinrich zusätzlich zu seiner Position als Leiter der MFA&A für das Land Hessen auch Direktor des Wiesbadener Central Collecting Points.[3] Er war mehrere Jahre Leiter der hessischen MFA&A-Abteilung, die zunächst der Economics Division, seit April 1948 der Property Division des OMGHE zugeordnet war.[4]
Im Monatsreport für September 1949 wird Heinrich explizit nicht als "US-Personnel" des CCPs aufgeführt, der bereits in hessische Treuhandverwaltung übergegangen war, sondern in beratender Funktion für den Collecting Point.[6] In seine Amtszeit fallen fünf der vom CCP veranstalteten Ausstellungen, wenn auch seine persönliche Beteiligung als Kurator ungeklärt ist.
Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten war Heinrich Kurator der Kunstsammlung an der Huntington Library in San Marino (Kalifornien) von 1951 bis 1952. Im Jahre 1953 wurde er Associate Curator für Gemälde und Kurator für Zeichnungen am Metropolitan Museum of Art in New York. 1955 zog er nach Toronto, wo er zum Direktor des Royal Ontario Museum ernannt wurde. Diesen Posten hatte er bis 1962 inne. Von 1966 bis zu seinem Tod im Jahr 1981 war er Professor an der York University. Er war Mitglied verschiedener Museumsgremien und kultureller Vereinigungen und engagierte sich im International Council on Museums.[7]
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[1] Alle biografische Daten zu Theodore A. Heinrich entstammen, soweit nicht anders vermerkt, der Website der Monuments Men; vgl. Monuments Men Foundation for the Preservation of Art: Theodore Allen Heinrich (1910-1981), http://www.monumentsmenfoundation.org/bio.php?id=136,(http://www.monumentsmenfoundation.org/bio.php?id=136) Veröffentlichungsdatum: o.D., Abrufdatum: 11.06.2011.
[2] Laut Farmer blieb Heinrich in Europa bis zum Jahre 1951; vgl. Farmer (1996): The Wiesbaden Manifesto, S. 108.
[3] vgl. Farmer (1996): The Wiesbaden Manifesto, S. 108f.
[4] vgl. Weisz (1994): OMGUS-Handbuch, S. 366, 806.
[6] vgl. Status of Collecting Point for September 1949, von Theodore A. Heinrich [Cultural Affairs Advisor, Property Division, HICOG], an Land Commissioner for Hesse, Economics Division, 04. Oktober 1949, in: Monthly Report: Wiesbaden Central Collecting Point, September 1949-Dezember 1949, in: Microfilm-Publikation M1947, Records concerning the Central Collecting Points ("Ardelia Hall Collection"): Wiesbaden Central Collecting Point, 1945-1952 (Roll 54: Activity Reports, 1945-1951 [A1, Entry 496], From: Monthly Report: Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force, Dec. 1944; To: Monthly Report: Wiesbaden Central Collecting Point, Dec. 1949).
[7] vgl. Edsel, Robert M.: Rescuing da Vinci. Hitler and the Nazis stole Europe's great art. America and her Allies recovered it, Dallas 2006, S. 129.
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