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Wiesbaden unter Feuer: So sah die Stadt nach der Bombennacht aus

  • 16. Aug. 2016
  • 2 Min. Lesezeit

Vergleichbar wenige, aber doch erhebliche Schäden an Menschenleben und Architektur - das ist die Bilanz aus den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs auf die Stadt.


Im Vergleich zu Mainz ist Wiesbaden glimpflich weggekommen: Während auf der anderen Rheinseite 80 Prozent der Innenstadt dem Erdboden gleichgemacht wurde, blieben in Wiesbaden mehr als zwei Drittel der Stadt unversehrt.


Zerstörtes Rathaus
Zerstörtes Rathaus

Industrie am Rhein als Ziel für alliierte Bomber

Die Luftangriffe sollten die Industrieanlagen und Verkehrswege des Feindes zerstören und ihn kampfunfähig machen. Das machte Mainz als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt zum Ziel. Aber auch Wiesbaden blieb nicht verschont: Im September 1944 bombardierten alliierte Flieger die Industrieanlagen von Biebrich und Amöneburg und zerstörten das Werksgelände der Firma Albert zu 90 %. Auch die chemische Fabrik Kalle und Zementfabrik Dyckerhoff waren erheblich betroffen.

“Allein auf das Werksgelände der Fa. Albert fielen bei diesem Angriff, der nur eine halbe Minute dauerte, 400 Bomben, die das Werk zu 90 % beschädigten.“ - Richard Rudolph (Wiesbaden Damals)

Auch das Biebricher Schloss wurde bei diesen Angriffen schwer beschädigt.


Bombentreffer in Straße
Bombentreffer in Straße

Schwere Bombennacht im Februar 1945 traf auch die Innenstadt

Um halb zwölf wurden die Wiesbadener von den Sirenen des Luftalarms aus dem Schlaf gerissen. Der Angriff dauerte kaum eine Stunde in dieser Nacht vom 2. auf den 3. Februar 1945, richtete aber den größten Schaden an. Abgeworfen wurden 889 schwerste Bomben, 29 Minenbomben und 26.500 Stabbrandbomben. 516 Wiesbadener verloren allein in dieser Nacht ihr Leben, 28.000 wurden obdachlos, schreibt Herbert Müller-Werth in seiner Geschichte und Kommunalpolitik der Stadt Wiesbaden. Oft war es wohl der Zufall, der entschied, wo die Bomben fallen, meint Siegmund Dieser vom Wiesbadener Stadtarchiv. Genau zu zielen war gerade in der Nacht nicht möglich.


"Der Zufall entscheidet, welches Gebäude getroffen wird." – Siegmund Dieser, Stadtarchiv Wiesbaden

Spürbar im Stadtbild

Vor allem das Kurviertel traf es bei diesem und zahlreichen kleineren Luftangriffen. Vom historischen Hotel „Vier Jahreszeiten“, in der Wilhelmstraße schräg gegenüber dem Kurhaus, blieben nur die Säulen der Eingangshalle stehen. Heute steht dort der so gar nicht zur „Rue“ passende Wohn- und Geschäftsbau gleichen Namens. Auch das Theatergebäude hat schwere Bombentreffer erlitten, ebenso das Rathaus, Stadtschloss und das Kurhaus. Kurz vor Kriegsende zerstörten Fliegerbomben das außerhalb der Stadt gelegene Jagdschloss Platte, das noch jahrzehntelang als Ruine stehenblieb.

Bild: zerstörtes Vierjahreszeiten, Theater


Wohin mit den Steinen?

Zurück blieb in der Innenstadt ein riesiger Schuttberg, durch den es kaum ein Durchkommen gab. Für mehrere Jahre prägte deshalb die Trümmerbahn das Stadtbild, um die Überreste der zerstörten Gebäude abzutransportieren. Mehr als 600.000 Kubikmeter Steine wurden recycelt - sie wurden dringend für den Wiederaufbau benötigt.

Wiederaufbau des Zerstörten

Die historischen Gebäude wie das Theater oder das Rathaus versetzte man nach 1945 wieder in den ursprünglichen Zustand. Für die vielen zerstörten Wohnbauten fehlte der jungen Bundesrepublik aber das Geld. In vielen Straßenzügen der Stadt fällt dem aufmerksamen Betrachter deshalb heute immer wieder ein einzelner wesentlich schlichterer Bau zwischen den reich verzierten Nachbarfassaden auf. Ein Ersatz für das im Krieg zerstörte ursprüngliche Haus, das sich mal mehr, mal weniger gelungen in die Gesamtoptik der Straße einfügt.


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